Die Neurosen eines Hundesbesitzers aus der Stadt (Teil 6)

Die Personen und die Handlung der Geschichten/Artikel sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

(…) Als der Bus endlich, ein paar Minuten verspätet, um die Ecke biegt und in die Parkbucht der Haltestelle überkommt Michael ein leiser Anflug von Zweifel. Ist es die richtige Entscheidung, alles hinter sich zu lassen und in seinen Wohnwagen, an der Lippe, zu fliehen? Ist es wirklich richtig, wie so oft in seinem Leben, vor den Problemen davonzulaufen und sich ihnen nicht zu stellen? Sollte nicht erst der Streit mit seiner Schwester beigelegt werden, bevor er mit der Bitte auf seinen Hund aufzupassen, vor ihren Laden steht?


Fragen, an denen er zu knabbern hat.


Fragen, an denen er zu knabbern hat. Fragen die ihn begleiten werden. Fragen die sich einbrennen, in seinem Gehirn und denen er sich, irgendwann, stellen muss.

Die Entscheidung den Bus nun doch zu betreten fällt er aus dem Bauch heraus. Zögerlich betritt er den Bus der Linie 455, zwängt sich in einen Zweiersitz und hebt Chantalle behutsam auf seinen Schoß. Zischend schließen sich die Türen, des in die Tage gekommenen Linienbusses, der daraufhin rumpelnd und schaukelnd die Parkbucht verlässt und sich in den morgendlichen Verkehr einreiht. Während der Fahrt schaut Michael angestrengt aus dem Fenster und krault seinen Hund dabei gedankenverloren hinter den Ohren. Er versucht alles in sich aufzusaugen, alles anzusehen was ihm ins Auge fällt und über alles nachzudenken was er sieht.


Die Fahrt dauert knapp 20 Minuten...


Die Fahrt dauert knapp 20 Minuten und in dieser kurzen Zeit schafft Michael es, wie so oft, seine Zweifel zu verdrängen. Seine Verdrängungstaktik, die fröhlichen Kinder auf dem Weg zur Schule, die grobschlächtigen Bauarbeiter einer der vielen Baustellen und alle andere Menschen, die ihm auf der Fahrt ins Auge fallen zu beobachten und ihr verhalten und ihrer Gesten zu studieren geht auf.


Der große Mann mit dem kleinen Hund verlässt den Bus...


Als der Bus die Haltestelle erreicht hat, an der Michael und Chantalle aussteigen müssen, scheint die Sonne. Der große Mann mit dem kleinen Hund verlässt den Bus, durch die Tür, die sich genauso zischend öffnet, wie schließt und schiebt sich beim Hinausgehen eine Sonnenbrille auf die Nase. Auch an dieser Haltestelle sitzt eine alte Dame. Anscheinend wartet sie auf einen Bus einer anderen Linie oder sie nutzt den Sitzplatz der Haltestelle, um sich ein wenig auszuruhen, denn sie macht keinerlei Anstalten ihren Sitzplatz zu verlassen. Sie sitzt einfach regungslos da, schaut den Mann mit dem Hund ernst an, hegt aber keinerlei Verdacht, das mit ihm irgendetwas nicht stimmen könnte. Der Mann wirkt so normal, so unauffällig, dass sie nach kurzer Zeit den Blick wieder abwendet, aus einer ramponierten Ledertasche eine Illustrierte herausholt und sodann in dieser mit spitzen Fingern blättert. (…)

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    Über den Autor

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